Warum verliert ein Anfänger ohne Geldmanagement seine Einlage?
Vor ein paar Jahren habe ich für mich selbst eine kleine Tabelle geführt – ich habe notiert, wie sich der Kontostand bei einigen Bekannten, die Anfänger bei Pocket Option waren, verändert hat. Die Startbeträge waren bescheiden, zwischen fünfzig und hundert Dollar. Die Einstiegsstrategien waren bei allen in etwa auf dem gleichen Niveau – manche orientierten sich an den Kerzen, andere an den Kursniveaus. Doch nach einem Monat war das Guthaben bei fast allen auf null gesunken.
Es lag nicht daran, dass sie die Richtung falsch einschätzten. Die Erfolgsquote vieler von ihnen war durchaus akzeptabel. Das Problem lag woanders – nämlich darin, wie viel Geld sie auf einen einzelnen Handel setzten und wie schnell dieser Betrag nach ein paar Fehlschlägen anstieg.
„Schnellstart“-Wette in der ersten Woche
Einer dieser Neulinge beschloss, den Prozess zu beschleunigen. Einzahlung: hundert Dollar, Einsatz: dreißig. Die Logik ist einfach: Mit kleinen Einsätzen lässt sich nicht viel verdienen, also muss man höher setzen. Der erste Handel – ein Verlust. Der zweite, etwas höher, um den Verlust „auszugleichen“ – wieder ein Verlust. Der dritte hat den Rest aufgebraucht.
Drei Trades, weniger als eine Stunde – und das Guthaben war weg. Keiner dieser Trades war für sich genommen katastrophal fehlgeschlagen; jeder entsprach der üblichen Verluststatistik, die bei jeder Strategie vorkommt. Es war lediglich so, dass die Höhe des Einsatzes so berechnet war, dass das Guthaben selbst eine kurze Pechsträhne unbeschadet überstand.
Die Ein-Zwei-Prozent-Regel
Das Grundprinzip des Geldmanagements klingt langweilig: Der Einsatz pro Trade entspricht einem kleinen Anteil des Kapitals, in der Regel zwischen einem und fünf Prozent, je nachdem, wie viel Risiko der Trader eingehen möchte. Bei einem Guthaben von hundert Dollar sind das ein bis fünf Dollar, nicht dreißig.
Hier gilt dieselbe Logik wie bei einem Marathonläufer am Start des Rennens. Ein Anfänger legt oft schon auf dem ersten Kilometer einen Sprint hin – er glaubt, so schneller ins Ziel zu kommen. Tatsächlich ist er jedoch schon zur Hälfte der Strecke erschöpft und schneidet schlechter ab als diejenigen, die über die gesamten zweiundvierzig Kilometer ein gleichmäßiges Tempo gehalten haben. Mit einem Depot verhält es sich genauso: Es muss eine Strecke aus Dutzenden oder Hunderten von Trades zurücklegen und darf nicht schon bei den ersten drei aufbrennen.
Ich selbst habe mich eine Zeit lang der Sünde schuldig gemacht, meinen Einsatz nach einer Serie erfolgreicher Einsätze zu erhöhen – es schien, als hätte ich eine Glückssträhne. Ein paar solcher Erhöhungen zeigten schnell, dass eine Glückssträhne genau dann endet, wenn der Einsatz sein Maximum erreicht. Danach kehrte ich zu einem festen Prozentsatz zurück und empfand dies nicht mehr als langweilige Einschränkung.
Wie viele Transaktionen kann das Guthaben verkraften?
Das Geldmanagement für Anfänger lässt sich bequem anhand einer einfachen Berechnung überprüfen. Wenn der Einsatz zwei Prozent des Guthabens beträgt, würde das Guthaben theoretisch mehrere Dutzend aufeinanderfolgende verlorene Trades überstehen, bevor es auf null sinkt – und das sogar ohne Berücksichtigung der Gewinne aus erfolgreichen Trades. Beträgt der Einsatz 30 Prozent, reichen bereits drei bis vier Verluste in Folge aus, um das Guthaben auf Null zu reduzieren – und eine solche Serie ist bei binären Optionen selbst bei einer funktionierenden Strategie keine Seltenheit.
Es lohnt sich, ein Tageslimit festzulegen – wie viele Trades und welchen Gesamtbetrag an Einsätzen der Trader bereit ist, in einer Sitzung zu verlieren, ohne seinen Plan zu überdenken. Das bedeutet nicht, dass jeder Tag verlustreich sein wird. Es geht vielmehr darum, dass jeder mal eine Pechsträhne hat, und die Frage ist lediglich, ob der Trader rechtzeitig aufhört oder seine Einsätze weiter erhöht, um seine Verluste auszugleichen.
Martingale und andere Strategien zur Erhöhung des Einsatzes nach einer Niederlage werden manchmal als Geldmanagementsystem dargestellt. In der Praxis handelt es sich dabei eher um eine Methode, sowohl den Zuwachs als auch den Verlust des Einsatzes zu beschleunigen – die Mathematik eines solchen Systems erfordert nahezu unbegrenztes Kapital für den Fall einer langen Verlustserie, über das ein Anfänger in der Regel nicht verfügt.
Die allgemeinen Grundsätze des Kapitalschutzes – einschließlich der emotionalen Seite des Themas – werden im Artikel über Risikomanagement bei binären Optionen näher erläutert. Das Geldmanagement ist der praktische, rechnerische Teil davon: konkrete Zahlen statt allgemeiner Überlegungen zur Disziplin.
Das Ergebnis klingt recht nüchtern, aber genau darin liegt der Kern des Geldmanagements: Es macht die Trades nicht präziser und erhöht auch nicht die Gewinnquote. Es legt lediglich fest, wie viel Zeit und wie viele Versuche einem Kapital zur Verfügung stehen, bevor es aufgebraucht ist. Je geringer der Einsatz im Verhältnis zum Guthaben ist, desto länger ist diese Zeitspanne – und auf lange Sicht hat der Trader die Chance, seine eigenen Fehler zu erkennen, anstatt nur zuzusehen, wie sein Konto auf Null läuft. Diese Zahlen und Handelsserien lassen sich bequem im Trading-Tagebuch festhalten – Notizen zu jedem Handel zeigen später anschaulich, wo die Einsatzhöhe ungerechtfertigt hoch war.
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